Baumkontrolle oder Baumgutachten – was ist der Unterschied?
- Alexander Spechtenhauser

- 16. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Die Begriffe Baumkontrolle, Baumuntersuchung und Baumgutachten werden im Alltag häufig synonym verwendet. Fachlich handelt es sich jedoch um unterschiedliche Leistungen.
Der wesentliche Unterschied liegt vor allem in der Aufgabenstellung und im Umfang der Dokumentation: Während die Baumkontrolle in erster Linie der regelmäßigen Beurteilung der Verkehrssicherheit dient, behandelt ein Baumgutachten eine konkrete Fragestellung und dokumentiert Befunde, Grundlagen, Bewertung und Schlussfolgerungen wesentlich ausführlicher und nachvollziehbarer.
Was ist eine Baumkontrolle?
Die Baumkontrolle ist in der Regel eine fachkundige visuelle Kontrolle eines Baumes im Hinblick auf seine Verkehrssicherheit.
Dabei werden die visuell zugänglichen Bereiche des Baumes und seines Umfeldes systematisch beurteilt. Dazu gehören insbesondere:
Krone und Äste
Stamm
Stammfuß
sichtbarer Wurzelbereich
relevantes Baumumfeld
Gesucht wird nach Merkmalen, die auf eine mögliche Beeinträchtigung der Stand- oder Bruchsicherheit hinweisen können.
Bei größeren Baumbeständen werden diese Kontrollen üblicherweise in einem digitalen Baumkataster dokumentiert. Dabei werden die wesentlichen Befunde, erforderliche Maßnahmen und Kontrollintervalle dem jeweiligen Baum zugeordnet.
Was ist ein Baumgutachten?
Ein Baumgutachten geht wesentlich weiter.
Der wichtigste Unterschied ist zunächst die ausführlichere und nachvollziehbare Dokumentation. Befunde werden detailliert beschrieben und – je nach Aufgabenstellung – durch Fotos, Messungen, Pläne, Berechnungen oder andere Unterlagen ergänzt.
Vor allem aber muss es bei einem Baumgutachten nicht ausschließlich um die Verkehrssicherheit gehen.
Ein Gutachten kann unterschiedlichste Fragestellungen rund um einen Baum oder Baumbestand behandeln.
Typische Beispiele sind:
Beurteilung der Stand- und Bruchsicherheit
Auswirkungen von Baumaßnahmen auf Bäume
Bewertung bereits eingetretener Schäden
Beurteilung von Wurzel- oder Kronenschäden
Fragen zum Erhalt eines Baumes
Konflikte zwischen Bäumen und Bauvorhaben
fachliche Beurteilungen bei Nachbarschaftsstreitigkeiten
Schäden durch unsachgemäße Baumpflege
Ermittlung des monetären Wertes eines Baumes oder Gehölzbestandes
Beweissicherung und Dokumentation eines bestehenden Zustandes
Das Baumgutachten beantwortet somit eine konkrete fachliche Fragestellung und schafft eine nachvollziehbare Grundlage für weitere Entscheidungen.
Baumgutachten bei Nachbarschaftsstreitigkeiten
Ein häufiges Einsatzgebiet sind Unstimmigkeiten zwischen Nachbarn.
Bäume können dabei aus unterschiedlichsten Gründen zum Konfliktthema werden: überhängende Äste, Wurzeln, Beschattung, vermutete Gefahren, Schäden oder geplante Eingriffe an einem Baum.
Gerade in solchen Situationen ist eine möglichst sachliche und unabhängige Beurteilung wichtig.
Aufgabe des Sachverständigen ist es nicht, für eine der Parteien Position zu beziehen. Vielmehr wird der vorhandene Zustand dokumentiert und die jeweilige fachliche Fragestellung objektiv beurteilt.
Eine nachvollziehbare Dokumentation kann dabei helfen, die Diskussion wieder auf eine fachliche Ebene zu bringen.
Wertermittlung von Bäumen nach der Methode Koch
Eine weitere Fragestellung, die mit der klassischen Baumkontrolle wenig zu tun hat, ist die Wertermittlung von Bäumen und Gehölzen.
Wurde beispielsweise ein Baum beschädigt oder unberechtigt entfernt, kann die Frage entstehen, welchen monetären Wert dieser Baum hatte beziehungsweise welcher Schaden entstanden ist.
Für solche Fragestellungen kann die Methode Koch zur Gehölzwertermittlung herangezogen werden.
Dabei wird ein Baum nicht einfach anhand seines Holz- oder Verkaufswertes beurteilt. Vielmehr wird berücksichtigt, welchen Wert das Gehölz als Bestandteil des jeweiligen Grundstückes beziehungsweise der Außenanlage besitzt.
Eine solche Wertermittlung kann beispielsweise bei Schadenersatzfragen, Nachbarschaftskonflikten oder anderen rechtlichen Auseinandersetzungen relevant werden.
Was ist eine weiterführende Baumuntersuchung?
Eine weiterführende Untersuchung ist wiederum von einem Gutachten zu unterscheiden.
Werden bei einer Baumkontrolle Auffälligkeiten festgestellt, die visuell nicht ausreichend beurteilt werden können, kann eine genauere Untersuchung notwendig sein.
Je nach Fragestellung können unterschiedliche Verfahren eingesetzt werden, beispielsweise:
eingehende visuelle Untersuchungen
Sondierungen
Bohrwiderstandsmessungen
Schalltomographie
Zugversuche
Untersuchungen des Wurzelbereiches
Entscheidend ist dabei ein wichtiger Grundsatz:
Zuerst kommt die fachliche Fragestellung – danach wird die geeignete Untersuchungsmethode gewählt.
Ein technisches Untersuchungsgerät allein macht noch kein Baumgutachten.
Baumkontrolle, Untersuchung und Gutachten können aufeinander aufbauen
In der Praxis können die unterschiedlichen Leistungen aufeinander aufbauen.
Bei einer regelmäßigen Baumkontrolle wird beispielsweise eine Auffälligkeit festgestellt. Diese lässt sich visuell nicht abschließend beurteilen. Daraufhin erfolgt eine weiterführende Untersuchung.
Wenn die Fragestellung eine ausführliche fachliche Beurteilung und Dokumentation erfordert, können die Ergebnisse anschließend Bestandteil eines Baumgutachtens werden.
Umgekehrt benötigt aber nicht jeder Baum ein Gutachten und nicht jede Auffälligkeit eine technische Untersuchung.
Der Dokumentationsumfang macht einen wesentlichen Unterschied
Ein wichtiger Unterschied wird in der Praxis häufig unterschätzt.
Bei einer Baumkontrolle werden die für die Verkehrssicherheit relevanten Befunde und Maßnahmen dokumentiert. Bei einem Baumgutachten muss dagegen auch für einen fachlich nicht unmittelbar beteiligten Dritten nachvollziehbar sein, wie der Sachverständige zu seiner Beurteilung gelangt ist.
Dazu gehören – abhängig von der Fragestellung – beispielsweise:
Aufgabenstellung
Befundaufnahme
Fotodokumentation
verwendete Unterlagen und Grundlagen
durchgeführte Untersuchungen
Messergebnisse
fachliche Bewertung
Schlussfolgerungen
gegebenenfalls Maßnahmenempfehlungen
Gerade wenn ein Gutachten später von Behörden, Versicherungen, Rechtsanwälten oder Gerichten herangezogen wird, ist diese Nachvollziehbarkeit von besonderer Bedeutung.
Warum ich Begutachtung und Ausführung bewusst trenne
Das Institut für Baumgesundheit führt keine Baumpflege- und Fällarbeiten durch.
Diese Trennung ist für mich ein wesentlicher Bestandteil einer unabhängigen Begutachtung.
Wenn ich feststelle, dass ein Baum keine Schnittmaßnahme benötigt, entsteht daraus für mich kein wirtschaftlicher Nachteil. Ebenso habe ich keinen finanziellen Vorteil davon, eine umfangreiche Pflegemaßnahme oder Fällung zu empfehlen.
Im Mittelpunkt steht ausschließlich die fachliche Fragestellung:
Was ist tatsächlich vorhanden – und welche Schlussfolgerung lässt sich daraus fachlich ableiten?
Kurz zusammengefasst
Baumkontrolle:Regelmäßige fachkundige Beurteilung eines Baumes, insbesondere hinsichtlich seiner Verkehrssicherheit.
Weiterführende Baumuntersuchung:Gezielte Untersuchung einer Auffälligkeit oder konkreten Fragestellung, wenn eine rein visuelle Beurteilung nicht ausreicht.
Baumgutachten:Ausführliche, nachvollziehbar dokumentierte fachliche Beurteilung einer konkreten Fragestellung. Diese kann die Verkehrssicherheit betreffen, aber ebenso Baumschäden, Bauvorhaben, Nachbarschaftskonflikte, Wertermittlungen oder andere baumfachliche Themen.
Fazit
Der Unterschied zwischen Baumkontrolle und Baumgutachten liegt nicht einfach darin, dass bei einem Gutachten „genauer hingeschaut“ wird.
Eine Baumkontrolle dient vor allem der regelmäßigen Beurteilung der Verkehrssicherheit. Ein Baumgutachten behandelt dagegen eine konkrete fachliche Fragestellung mit einem wesentlich höheren Grad an Dokumentation und Nachvollziehbarkeit.
Diese Fragestellung kann die Verkehrssicherheit betreffen – muss es aber nicht.
Unabhängige Baumgutachten in Tirol und Österreich
Das Institut für Baumgesundheit erstellt unabhängige Baumgutachten und fachliche Stellungnahmen unter anderem zu Verkehrssicherheit, Baumschäden, Baumschutz bei Bauvorhaben, Nachbarschaftskonflikten und zur Wertermittlung von Gehölzen nach der Methode Koch.
Darüber hinaus führe ich Baumkontrollen, Baumkataster und weiterführende Baumuntersuchungen durch.
Begutachtung und ausführende Baumpflege sind dabei konsequent voneinander getrennt.
Einsatzgebiet: Tirol, österreichweit und im angrenzenden Ausland.


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